Ethik, Erreger und Epidemien

Am 19. Juni im Haus der Wissenschaft: Öffentliches Bioethik-Symposium „Infektionsmedizin der Zukunft“

14.06.2013

Haus der Wissenschaft

Wenn Epidemien ausbrechen, steht nicht nur die Medizin vor gewaltigen Herausforderungen – auch moralische Fragen müssen beantwortet werden.  Wie gewährleistet man Gerechtigkeit im Zugang zu Prävention, Diagnostik und Therapie? Wie vermeidet man die Stigmatisierung und Diskriminierung von Betroffenen? Mit Problemen wie diesen befasst sich die Veranstaltung „Die Infektionsmedizin der Zukunft: Herausforderung für Individuum und Gesellschaft“ aus der Symposien-Reihe „Bioethik“ am Mittwoch, 19. Juni, 14 bis 18 Uhr, im Haus der Wissenschaft. Veranstalter sind die Braunschweigische Wissenschaftliche Gesellschaft (BWG) und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI). Der Eintritt ist frei. 

Weltweit zählen Infektionskrankheiten zu den häufigsten Todesursachen – und ihre Gefährlichkeit nimmt wieder zu. Immer mehr krankheitserregende Bakterien werden unempfindlich gegen die Antibiotika, mit denen die Medizin gegen sie vorzugehen versucht. Von Epidemien, die sich über die ganze Welt ausbreiten, über neu entstehende Krankheitserreger bis hin zu dem erheblichen Aufwand für die Krankenversorgung in den Industrieländern: Infektionen sind ein globales Problem mit ökonomischen und gesellschaftlichen Auswirkungen. 

Ihre Bekämpfung wird uns in Zukunft vermehrt vor schwierige Fragen stellen – auch in ethisch-moralischer Hinsicht. Darf man bei akuter Seuchengefahr Impfungen für  bestimmte Berufs- und Bevölkerungsgruppen verpflichtend vorschreiben – oder geht dieser Eingriff in ihre persönliche Freiheit zu weit? Darf man sich über Eigentums- und Patentrechte hinwegsetzen, um Arzneimittel für bedürftige Menschen verfügbar zu machen? Wo sollten Gesellschaft und Politik regulierend eingreifen? Bei der Sicherstellung einer kontrollierten Anwendung von Antibiotika? Oder bei der gezielten Entwicklung neuer Wirkstoffe, auch wenn deren Wirtschaftlichkeit nicht garantiert werden kann? Wo stößt die Wissenschaft an moralische Grenzen? Und was muss uns die Erforschung von Infektionskrankheiten wert sein?

Fragen wie diese erörtert die Veranstaltung „Die Infektionsmedizin der Zukunft: Herausforderung für Individuum und Gesellschaft“ aus der Symposien-Reihe „Bioethik“. Experten aus Medizin, Grundlagenforschung und Ethik erörtern Aspekte dieses facettenreichen Themas und diskutieren mögliche Antworten.

Der Epidemiologe  Prof. Gérard Krause, Abteilungsleiter am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, widmet sich der Frage: „Wie erkennen und bekämpfen wir Seuchen?“

Im Anschluss spricht Prof. Ulrich Kalinke, Leiter des Twincore-Zentrums für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, über das Thema „Infektionsforschung zwischen Grundlagen und klinischer Anwendung“.

Der Immunologe Prof.  Reinhold Schmidt, Geschäftsführender Direktor des Zentrums Innere Medizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), erörtert  in seinem Vortrag „Seuchenbekämpfung: Eine Erfolgsgeschichte, begleitet von Ängsten und Tabus“ klinische und gesellschaftliche Aspekte von Infektionskrankheiten. 

Den Abschluss bildet das Referat „Ethische Fragen des Umgangs mit Infektionskrankheiten: Welche Abwägungen müssen wir treffen?“, in dem der Wissenschafts-Ethiker und Privatdozent Walter Bruchhausen aus Aachen einen Überblick über moralische Grundprobleme wie Persönlichkeitsschutz und Risikoabwägung gibt. 

„Wir wollen mit dieser Veranstaltung zeigen, dass Infektionsforschung weit mehr ist als die Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse“, erklärt Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. „Der Umgang mit Erregern und Epidemien berührt auch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und er erfordert ethische Leitlinien, die wir mit den Beteiligten und Betroffenen gemeinsam erarbeiten müssen.“

Prof.  Joachim Klein, Präsident der BWG, erläutert die Hintergründe der Bioethik-Veranstaltungsreihe: „Die Bioethik-Symposien widmen sich dem Ziel, wissenschaftliche Fragen sachkundig in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen. Dazu beleuchten sie das jeweilige Thema stets aus vier Blickwinkeln: Wissenschaftliche Grundlagen, klinische Perspektiven, rechtliche Fragen und ethische Dimensionen. So bieten sie den Besuchern die Möglichkeit, sich auf einer fundierten Basis ein eigenes Urteil zu bilden.“

Nähere Informationen zur Veranstaltung geben die Geschäftsstelle der BWG (Telefon: 0531/14466, E-Mail: info@bwg.niedersachsen.de) und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des HZI (Telefon: 0531/6181-1401, presse@helmholtz-hzi.de).

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