"Es ist mir immer ein Anliegen, meine Forschung nach außen zu tragen."

Dieter Jahn, Referent der Vortragsreihe "KrankheitsErregend", im Gespräch

05.11.2014

Dieter Jahn VP Forschung 07 2012 2

©Technische Universität Braunschweig

Lieber Herr Jahn, Sie nehmen ja das erste Mal an der Reihe  Krankheitserregend teil. Was reizt Sie an der Veranstaltung?

Ich halte es generell immer für wichtig, unsere Forschung einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, unter anderem auch um eine Legitimation für sie zu erreichen. Wir arbeiten schließlich nicht im luftleeren Raum vor uns hin, sondern versuchen durch unsere Forschung das Leben der Leute zu verbessern. Außerdem denke ich, dass man auch komplizierte Sachverhalte gut beschreiben kann und sollte, damit jeder versteht was wir hier tun und warum.

Warum sind Krankenhauskeime gerade zur heutigen Zeit ein wichtiges Thema?

Die Anzahl der antibiotikaresistenten Keime nimmt zu und sie werden vermehrt auch zu einer tödlichen Bedrohung. Das macht sie zu einem wichtigen Thema sowohl in der Forschung als auch in der Öffentlichkeit. 

In Ihrem speziellen Vortrag wird es um Clostridium difficile gehen, was macht diesen Keim so gefährlich?

Clostridium difficile ist ein spezieller Krankenhauskeim, da er sehr hartnäckig ist und oftmals erst zu einer Infektion führt, wenn die Leute das Krankenhaus verlassen haben. Die Leute werden wegen einer Durchfallerkrankung mit Antibiotika behandelt, denken sie sind gesund und gehen nach Hause. Erst nach einiger Zeit kommen die Symptome dann zurück und das oft schlimmer, weil die Keime die nach der Antibiotikabehandlung übrig bleiben, viel gefährlicher sind. Im schlimmsten Fall endet das in einer Stuhltransplantation.

Was ist bislang über den Keim bekannt?

Obwohl er schon seit über 100 Jahre untersucht wird, ist im Vergleich zu anderen Erregern wie beispielsweise Salmonellen recht wenig bekannt. Was wir schon wissen erzähle ich dann bei der Veranstaltung.

Inwiefern beschäftigen Sie sich in ihrer Forschung mit dem Keim? Was für Projekte laufen dazu in ihrer Abteilung?

Wir haben mit Cdiff einen Forschungsverbund gegründet, in dem 13 Forschungsgruppen aus verschiedenen Institutionen an dem Organismus forschen und ihn von vorne bis hinten durchleuchten.   Meine Abteilung ist speziell daran interessiert herauszufinden, wie der Keim den Stress im Darm aushält.

Was muss aus Ihrer Sicht langfristig getan werden, um das Problem der Krankenhauskeime und speziell Clostridien erfolgreich zu bekämpfen?

Erstmal ist es wichtig Bewusstsein zu schaffen, auch bei den Ärzten. Der Keim ist ja ein eher untypischer Krankenhauskeim, weil wir ihn uns nicht unbedingt im Krankenhaus einfangen, sondern oft schon in der Umwelt. Wir wissen oft nicht wo er herkommt, weswegen wir besonders aufmerksam sein müssen in der Behandlung und beim Einsatz von Antibiotika. Den gilt es langfristig zu überdenken. 

Was erhoffen Sie sich von der Veranstaltung und der Diskussion mit einer Kollegin aus der Klinik? / Wie wichtig ist die Kommunikation und Zusammenarbeit miteinander?

Spaß natürlich. Außerdem sind ich und Herr Bautsch ein gutes Team und haben schon öfter gemeinsam solche Veranstaltungen gemacht. Vor allem freue ich mich auf viele Fragen und Diskussionen mit dem Publikum. Es ist mir immer ein Anliegen, meine Forschung nach außen zu tragen. Die Leute sollen schließlich wissen, dass wir unsere Forschung in erster Linie für sie betreiben beziehungsweise damit es Patienten besser geht.