Emmanuelle Charpentier erhält Ernst Jung-Preis für Medizin

HZI-Wissenschaftlerin für Entdeckung des CRISPR-Cas9-Systems ausgezeichnet

08.01.2015

Emmanuelle Charpentier

© Helmholtz / Hallbauer&Fioretti

Der mit 300.000 Euro dotierte Ernst Jung-Preis für Medizin geht in diesem Jahr an Prof. Emmanuelle Charpentier vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig. Sie erhält den Preis für die Nutzbarmachung eines alten Mechanismus der bakteriellen Immunität – CRISPR-Cas9 - zu einer leistungsstarken Technologie zur Bearbeitung von Genomen, das unter anderem einen vielversprechenden Ansatz zur Heilung von Erbkrankheiten darstellt. Charpentier leitet seit 2013 die Abteilung „Regulation in der Infektionsbiologie“ am HZI und ist Alexander von Humboldt-Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Mukoviszidose und die Bluterkrankheit sind nur zwei Beispiele für die über 10.000 bekannten Erbkrankheiten. Diese entstehen meist auf Grund von Abwandlungen von Genen, welche die Erbinformationen im Genom verändern oder löschen. Eine vielversprechende Lösung zur Heilung solcher Krankheiten ist das sogenannte CRISPR-Cas9-System. Es ermöglicht die zielgerichtete Abschaltung ebenso wie die Korrektur fehlerhafter Gene.

Die Funktionsweise des CRISPR-Cas9-Systems basiert auf einem Mechanismus, den Bakterien zur Abwehr von Viren nutzen, welches Charpentier mit ihrem Team während ihrer Zeit an der Umeå University in Schweden entschlüsselt hat. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Prof. Jennifer Doudna von der University of California, Berkeley konnte sie zeigen, dass der Mechanismus als leistungsstarke Technologie zur Gen-Editierung genutzt werden kann, welche bereits jetzt weltweit von der Scientific Community zur genetischen Modifizierung von Zellen und Organismen eingesetzt wird. Besonders reizvoll ist ihre Entdeckung, da das System vielfältig angewandt werden kann. Nicht nur eine effiziente Behandlung oder Vorbeugung von Erbkrankheiten sind damit denkbar, sondern auch neue Therapieansätze im Kampf gegen chronische Erkrankungen wie Aids und Krebs oder auch Einsätze im Agrarsektor.

„Das HZI ist sehr stolz darauf, Frau Charpentier als einer der weltweit führenden Mikrobiologinnen exzellente Forschungsmöglichkeiten am Standort Braunschweig zu bieten, die es ihr erlauben werden die Erforschung regulatorischer Mechanismen in Bakterien, u.a. des CRISPR-Cas-Systems, fortzusetzen und entsprechende Anwendungen in der Medizin voranzutreiben“, sagt Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI.

Der Ernst Jung-Preis für Medizin ist mit einem Förderbetrag von 300.000 Euro einer der höchstdotierten Medizinpreise Europas. Die 1967 gegründete Stiftung unterstützt bereits seit 1976 Forschungsprojekte von Spitzenwissenschaftlern durch diese Auszeichnungen. Für Charpentier ist der Preis eine weitere Anerkennung ihrer vielbeachteten Forschungsarbeit und ein weiterer Motivationsschub.

„Ich möchte etwas in meinem Forschungsgebiet bewegen und neue Perspektiven in Wissenschaft und Medizin, zum Wohle unserer Menschheit, aufzeigen“, sagt Charpentier.