Ein neuer Naturstoff schützt vor Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus

Forscher am TWINCORE hindern Hepatitis-C-Virus daran, in Leberzellen einzudringen

23.04.2012

 

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Helmholtz-HZI/Britta MießenGrafik_Hepatitis_C_Virus

Marrubium peregrinum L sieht aus wie eine Mischung aus Katzenminze und Salbei: krautig, silbrig, haarig und unscheinbar. Aber diese Pflanze hat es in sich - das Flavonoid Ladanein. Forscher am TWINCORE haben entdeckt, dass dieser Stoff das Hepatitis-C-Virus daran hindert, in Leberzellen einzudringen. "Daraus könnte sich eine neue Option entwickeln, um in Zukunft das Problem der Reinfektion von transplantierten Lebern in den Griff zu bekommen", sagt Sibylle Haid, Wissenschaftlerin in der Arbeitsgruppe Experimentelle Virologie. Für diese Arbeit hat das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Sibylle Haid kürzlich mit dem "Paper of the Month" April geehrt.

 

Aber erst einmal kurz zur Problematik des Hepatitis-C-Virus: Infektionen mit diesem Virus gehören inzwischen weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Etwa 160 Millionen Menschen tragen das Virus in sich, in Deutschland leben allein etwa eine halbe Million Menschen mit Hepatitis-C. Die Infektion verläuft meist unbemerkt, führt jedoch bei etwa 70 Prozent der Infizierten zu einer chronischen Leberinfektion. Erst wenn die Leber durch die Infektion vernarbt, schrumpft und im schlimmsten Fall Tumore bildet, fällt die Krankheit auf. Die Folge: chronische Hepatitis-C-Virusinfektionen sind inzwischen einer der häufigsten Gründe für Lebertransplantationen. Und an dieser Stelle kommt das krautige Marrubium peregrinum L ins Spiel, denn erhält ein Hepatitis-C-Patient eine neue Leber, scheint das Virus irgendwo im Körper nur darauf zu warten und befällt sie erneut im Eiltempo. Das Virus zerstört die neue Leber in der Regel wesentlich schneller als die alte, so dass die Patienten in einen Teufelskreis geraten. "Unser Ansatz ist, dass mit der neuen Leber gleich der Naturstoff - oder eine eng verwandte Substanz - verabreicht werden könnte, denn das Ladanein verhindert, dass die Viren in die Leberzellen eindringen", erklärt Sibylle Haid. "Auf diese Weise ließe sich vielleicht verhindern, dass das Virus Fuß fasst. Damit wäre die neue Leber vor dem Virus geschützt."

 

In Zellkulturen funktioniert das gut und wenn die Substanz geschluckt oder gespritzt wird, gelangt sie schnell ins Blut, wird zumindest von Mäusen gut vertragen und wirkt auch noch gemeinsam mit einem Immunsupressivum, das Patienten einnehmen müssen, wenn ihnen ein neues Organ transplantiert wird. Das sind gute Voraussetzungen für ein neues Therapeutikum. Deswegen plant Thomas Pietschmann, Leiter der Arbeitsgruppe am TWINCORE, das Ladanein genauer zu untersuchen: "Wir wollen besser verstehen, wie Ladanein die Infektion verhindert. Es ist bemerkenswert, dass Ladanein auch andere Viren, die wie HCV eine empfindliche Lipidhülle besitzen, am Zelleintritt hindert." Zu diesen Viren gehört auch das HI-Virus. Viren, die jedoch nur aus Eiweißen und viralem Erbmaterial bestehen, scheinen unempfindlich gegen den Naturstoff zu sein. Dazu gehören beispielweise die Adenoviren, die Entzündungen der Augen, Atemwege und des Verdauungstraktes auslösen können. "Das ist ein wichtiger Anhaltspunkt um zu verstehen, wie dieser Wirkstoff Viren außer Gefecht setzt", sagt Sibylle Haid. Bis aus dem Pflanzeninhaltsstoff ein Medikament werden kann, haben die Wissenschaftler also noch viel Arbeit vor sich. Sie werden mit ihren internationalen Partnern ähnliche Verbindungen herstellen und testen - um eventuell noch wirksamere Substanzen zu finden. Und sie werden den Stoff aus Marrubium peregrinum L noch an anderen Erregern testen, denn wann wächst schon mal ein Kraut gegen Viren...

TWINCORE - Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung

Das Twincore ist eine gemeinsame Einrichtung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Am Twincore forschen Mediziner und Grundlagenwissenschaftler der verschiedensten Disziplinen Seite an Seite in der Infektionsforschung. Ihr Schwerpunkt  liegt auf der translationalen Forschung, also der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und der klinischen Entwicklung.

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