Deutschland und Indien vereint gegen Seuchen-Erreger

Forschungskooperation soll helfen, gefährliche Epidemien einzudämmen

02.04.2007

Welche Rolle spielen die Gene für den Verlauf von Infektionskrankheiten? Warum springen manche Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen über und andere nicht? Und vor allem: Wie können wir bessere Medikamente und Impfstoffe gegen alte und neue Menschheitsplagen wie Influenza, AIDS und Hepatitis entwickeln?

 

Diese Fragen wollen deutsche und indische Wissenschaftler künftig gemeinsam beantworten. In einem „Indo-German Science Center for Infectious Diseases“ werden sie Erkenntnisse und Know-how austauschen und in Forschungsprojekten eng zusammenarbeiten. Einen entsprechenden Kooperationsvertrag werden das Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und das Indian Council of Medical Research (IMCR) am 3. April in Neu-Delhi unterzeichnen. Insgesamt werden sie etwa 4,5 Millionen Euro in gemeinsame Projekte investieren. Partner des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig ist auf deutscher Seite die Medizinische Hochschule Hannover (MHH).

 

Das Indo-German Science Center for Infectious Diseases hat keine feste Adresse: Es handelt sich um ein so genanntes „virtuelles Zentrum“, eine Einrichtung mit einheitlicher Organisations- und Managementstruktur, die aber auf verschiedene Standorte – Labore der beteiligten Einrichtungen – verteilt ist.

 

„Von der ersten Idee bis zur Gründung mit einem konkreten Arbeitsplan ist weniger als ein Jahr vergangen. Nun steht das Zentrum und kann seine Arbeit aufnehmen“, sagt Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Mit dem Impuls- und Vernetzungsfonds konnte die Helmholtz-Gemeinschaft unbürokratisch zwei Drittel des deutschen Anteils finanzieren.

 

„Indien verfügt über eine aufstrebende Forschung, die ihre Boom-Zeiten noch vor sich hat“, erklärt Rudi Balling, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung und Mitglied des Lenkungsausschusses im Indo-German Science Center. Durch die enge Zusammenarbeit könne die deutsche Wissenschaft von der unglaublichen Dynamik des Subkontinents profitieren. Ein weiteres entscheidendes Argument für Forschung in und mit Indien ist laut Balling die enorme Bedeutung, die Infektionskrankheiten dort haben: „Die häufig auftretenden Epidemien und die beträchtlichen Patientenzahlen stellen das Land zwar vor große Probleme“, erklärt Balling, „aber für die klinische Forschung eröffnen sie andererseits bessere Möglichkeiten als in Europa.“ Nicht zuletzt begründe das starke politische Interesse an der Infektionsforschung gute Rahmenbedingungen.

 

Als erste konkrete Maßnahmen werden Helmholtz-Zentrum, MHH und ICMR wechselseitige Austausch- und Trainingsprogramme für indische und deutsche Wissenschaftler organisieren. In beiden Ländern werden Workshops zu Themen wie Impfstoffentwicklung, genetische Infektionsanfälligkeiten und Virenerkrankungen stattfinden, um gemeinsame Projekte auf diesen Feldern zu starten.