Das Immunsystem bei der Entwicklung beobachten

Löwen-KIDS-Studie gestartet

13.04.2015

Das menschliche Immunsystem funktioniert nicht gleich ab der Geburt optimal. Erst nach und nach lernt es, Krankheitserreger zu erkennen und erfolgreich zu bekämpfen. Wie genau sich das Immunsystem entwickelt und wie gut es unseren Körper schützt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Diese Faktoren wollen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig nun mit Hilfe einer Langzeitstudie untersuchen. Im Rahmen der LöwenKIDS-Studie sollen dazu innerhalb des nächsten Jahres zwischen 500 und 1000 Kinder begleitet werden.    

Wenn Keime, wie beispielsweise Viren und Bakterien, in den Körper eindringen und sich dort vermehren, sprechen wir von einer Infektion. Jedoch machen nicht alle Eindringlinge uns automatisch krank, denn die Erreger müssen erst an der Abwehr unseres Körpers, dem Immunsystem, vorbei. In der Regel kann dieses gut zwischen schädlichen und weniger gefährlichen Erregern unterscheiden und somit je nach Art des Eindringlings reagieren und diesen falls notwendig bekämpfen. Allerdings beherrscht unser Immunsystem diese Fähigkeit nicht von Geburt an, sondern muss sie erst Schritt für Schritt erlernen. Dies ist einer der Gründe, warum Kinder in der Regel öfter erkranken als Erwachsene.

„Wir wollen herausfinden, welche Auswirkungen Infektionen auf die weitere Entwicklung des Kindes, seines Immunsystems und spätere Erkrankungen wie beispielsweise Asthma oder Allergien haben“, sagt Dr. Evelyn Dorendorf, Koordinatorin der Ende Februar gestarteten Studie.

Die Forscher aus der Arbeitsgruppe Epidemiologische und Statistische Methoden wollen zu diesem Zweck Kinder von Geburt an begleiten und deren Erkrankungen in den ersten Lebensjahren erfassen. „Die Eltern sollen dazu  ein Symptomtagebuch führen und uns einmal im Jahr, sowie immer wenn die Kinder krank sind, einen Nasenabstrich bzw.  eine Stuhlprobe schicken“, sagt Prof. Rafael Mikolajczyk, Leiter der Studie und der Arbeitsgruppe. „Außerdem soll es eine intensiver untersuchte Gruppe geben, in der Nasenabstriche und Stuhlproben einmal in Quartal gesammelt werden. Idealerweise wollen wir die Kinder bis zum Grundschulalter oder sogar länger untersuchen.“

Bevor die Studie startete, führten die Wissenschaftler zwei Pilotstudien durch. In der einen wurde die Teilnahmebereitschaft werdender Eltern in Braunschweig und Umgebung untersucht, während in der anderen das Tagebuch und die Probensammlung getestet wurden. „Die Vorstudien sind sehr gut gelaufen und wir möchten uns dafür bei den Teilnehmern und allen Unterstützern herzlich bedanken“, sagt Mikolajczyk. „Da wir für die jetzt gestartete Hauptstudie deutlich mehr Teilnehmer gewinnen wollen, sind wir auch jetzt wieder auf die Hilfe von Hebammen, Kinder- und Frauenarztpraxen, Kliniken und Kindertagesstätten angewiesen. Allen bereits Beteiligten schon jetzt ein großes Dankeschön“. 

Gesucht werden Schwangere im dritten Trimester und Eltern mit Kindern bis zu drei Monaten, die in Braunschweig, Wolfenbüttel, Wolfsburg, Hannover und Umgebung wohnen. Wer mitmachen möchte, kann sich unter 0531 6181 2222 oder über ein Kontaktformular auf der Webseite loewenkids.helmholtz-hzi.de anmelden. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Studie und eine Übersicht über die Ergebnisse der Vorstudien.