30.08.10
Die Schülerlabor-Szene trifft sich in Braunschweig
5. Workshop Genlabor & Schule am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Der Workshop Genlabor & Schule wird vom 24. bis 25. September 2010 am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig zu Gast sein. Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM) und das Braunschweiger BioS-Schülerlabor laden zum fünften Workshop des Netzwerks Genlabor & Schule ein – eine im deutschsprachigen Raum einmalige Veranstaltung: Seit 2002 treffen sich alle ein bis zwei Jahre die Menschen, die hinter knapp 40 Schülerlaboren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen. „Wir rechnen mit über 100 Teilnehmern aus allen biologisch arbeitenden Schülerlaboren“, sagt Dr. Barbara Berling vom Sprecherteam des Arbeitskreises Öffentlichkeit der GBM.
Der Workshop Genlabor & Schule bietet ein vielseitiges Programm aus Fachvorträgen, Posterpräsentation und Diskussionsrunden. In Kurzvorträgen können die Teilnehmer am ersten Workshop-Tag „Handfestes aus den Schülerlaboren – Konzepte; Experimente; Techniken; Tipps und Tricks“ mitnehmen. Am Samstag, den 25. September, geht es darum, wie Schülerkompetenz gefördert und ergänzt werden kann. Referenten schlagen in Vorträgen und auf dem Podium die Brücke zwischen Schule und dem wissenschaftlichen Experiment: Welches Wissenschaftsverständnis haben 10- bis 12-Jährige? Was erwarten Lehrer von Experimenten? Wie funktioniert prozessorientiertes Experimentieren im Schülerlabor? Sollen und können Schülerlabore Defizite der Schule kompensieren?
Der Workshop Genlabor & Schule ist ein Forum für all diejenigen, die sich mit dem naturwissenschaftlichen Nachwuchs auseinander setzen. Dr. Iris Eisenbeiser vom Schülerlabor BioS: „Wissenschaftler, Leiter und Mitarbeiter der Schülerlabore, Didaktiker aus dem Fachbereich Biologie sowie Vertreter der Kultusministerien Hessens und Niedersachsens treffen hier aufeinander, um Erfahrungen auszutauschen und die Idee der Schülerlabore als außerschulischem Lernort weiter zu entwickeln.“
Anmeldungen sind bis zum 14. September 2010 unter www.genlabor-schule.de möglich.
Weitere Informationen auf den Seiten des HZI finden Sie hier.
17.08.10
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung trauert um wissenschaftlichen Geschäftsführer
Professor Jürgen Wehland unerwartet verstorben
Braunschweig, den 17. August 2010 – Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) trauert um seinen wissenschaftlichen Geschäftsführer, Professor Jürgen Wehland. Am 16. August 2010 ist Jürgen Wehland unerwartet während eines Urlaubs in Schweden verstorben. „Wir sprechen seiner Familie, seinen Angehörigen und allen Freunden unser tiefstes Beileid aus“, sagt Ulf Richter, administrativer Geschäftsführer des HZI. „Sein Tod ist für jeden Mitarbeiter am Helmholtz-Zentrum und in der Helmholtz-Gemeinschaft ein großer Verlust. Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler und viele von uns einen langjährigen Freund.“
„Professor Wehland war ein hochangesehener Forscher und ein allseits geschätzter Kollege“, sagt Professor Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren in Berlin. „In Gedanken sind wir bei allen Menschen, die Herrn Wehland persönlich und beruflich nahestanden.“
Professor Wehland studierte Biologie an der Universität Göttingen und fertigte seine Diplom- und Doktorarbeit am Max-Planck Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen an. Nach seiner Promotion in Zellbiologie an der Universität Bonn folgte ein Forschungsaufenthalt am National Cancer Institute in Bethesda, USA. 1988 erlangte Jürgen Wehland seine venia legendi, die Lehrberechtigung für das Fach Zellbiologie. 1989 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Abteilung Mikrobiologie an der ehemaligen Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig. Von 1994 bis 1997 leitete er hier die Abteilung Zellbiologie. 1997 wurde Jürgen Wehland zum Universitätsprofessor für Zellbiologie und Immunologie an der Technischen Universität Braunschweig berufen und Leiter des Bereichs „Zell- und Immunbiologie“ an der GBF.
Seit September 2009 leitete Jürgen Wehland das 2006 aus der GBF hervorgegangene HZI kommissarisch, von Januar dieses Jahres an als wissenschaftlicher Geschäftsführer. Jürgen Wehland war Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Zellbiologie und erhielt 2007 den Descartes-Preis für seine Forschungsarbeiten über Listerien als Krankheitserreger. Seine Forschung an Prozessen im Zellskelett und an Listerien spiegelt sich in mehr als 160 hochrangigen wissenschaftlichen Publikationen wieder. Jürgen Wehland hatte wesentlichen Anteil daran, dass das HZI heute ein modernes und leistungsfähiges Infektionsforschungszentrum ist.
Jürgen Wehland war Mitglied in zahlreichen Vorständen und Gremien wie im Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Mitglied des Fachbeirats des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin sowie Vorsitzender des Senatsausschusses „Evaluierung“ der Leibniz-Gemeinschaft.
Professor Dr. Jürgen Wehland wurde 58 Jahre alt. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei erwachsene Töchter.
Curriculum Vitae von Prof. Dr. Jürgen Wehland als PDF Version
12.07.10
Besondere Bodenbakterien
Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland und Universität des Saarlandes richten internationale Konferenz über Myxobakterien aus.
Myxobakterien sind Bodenbakterien mit für die angewandte Forschung überaus interessanten Eigenschaften: Sie bilden pharmazeutisch relevante Substanzen, die zum Beispiel als Anti-Infektiva, Immunsuppressiva oder Krebstherapeutika zum Einsatz kommen beziehungsweise dafür entwickelt werden könnten. Diese Stoffe zu erforschen und sie zielgerichtet zu verändern, ermöglicht neue Ansätze, um letztendlich neue Medikamente zu entwickeln.
Vom 29. August bis 1. September 2010 findet an der Europäischen Akademie in Otzenhausen im Nordsaarland das diesjährige sogenannte MyxoMeeting statt (37th International Conference on the Biology of Myxobacteria). Ausgerichtet wird die Tagung vom Arbeitskreis von Professor Rolf Müller am Institut für Pharmazeutische Biotechnologie der Universität des Saarlandes in Kooperation mit dem kürzlich gegründeten Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). Auf der Konferenz werden internationale Wissenschaftler aus Ländern wie den USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Japan und Deutschland erwartet.
Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) ist eine Außenstelle des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig und wurde gemeinsam mit der Universität des Saarlandes im Jahr 2009 gegründet. An HZI und HIPS sollen neue Wirkstoffe zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten identifiziert und dann für die pharmazeutische Anwendung weiterentwickelt und optimiert werden.
Weitere Information über das HIPS finden Sie hier.
Anmeldungen zur Tagung erfolgen über die Konferenzwebpage.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Birgitta Lelarge
Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland
Abteilung Mikrobielle Naturstoffe
Campus der Universität des Saarlandes, Geb. C2 3
Postfach 15 11 50
66041 Saarbrücken
Tel.: 0681/302-70200
Fax: 0681/302-70202
Pressekontakt:
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Manfred Braun, Pressesprecher
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Tel.: 0531/6181-1400
Fax: 0531/6181-1499
Universität des Saarlands
Friederike Meyer zu Tittingdorf, Pressesprecherin
Presse und Kommunikation
Postfach 151150
66041 Saarbrücken
Tel.: 0681/302-2601
Fax: 0681/302-2609
05.07.10
Eine neue Chance für die Hepatitis-C-Forschung
Wissenschaftler des TWINCORE entwickeln neue Modellansätze für die HCV Forschung.
Das Hepatitis-C-Virus ist hochspezialisiert. Wir Menschen sind seine natürlichen Wirte. Die einzigen anderen Lebewesen, die das Hepatitis-C-Virus im Labor noch infizieren kann, sind Schimpansen. Dennoch ist es – aus Sicht des Virus gesehen – sehr erfolgreich: etwa 170 Millionen Menschen sind chronisch mit dem Virus infiziert. Und mit der chronischen Infektion steigt das Risiko der Patienten an Leberkrebs zu erkranken.
Weltweit arbeiten Wissenschaftler an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Virus. Das Problem: Sie können zwar in Leberzell-Kulturen forschen, aber wenn sie wissen möchten, wie das Immunsystem eine Infektion kontrolliert oder ob mögliche Impfstoffe wirksam sind, ist die Forschung an einem Endpunkt: Menschen oder Schimpansen kommen für so frühe Tests nicht in Frage. Am TWINCORE passen Wissenschaftler das HCV jetzt an Mäuse an, so dass Immunologen und Impfstoffforscher in Zukunft die nächsten Schritte gegen diese Krankheit unternehmen können. Denn das Immunsystem der Mäuse ist dem der Menschen sehr ähnlich und nur wenn Impfstoffe im Tierversuch erfolgreich und ungefährlich sind, können Wissenschaftler das Risiko eingehen, diese Stoffe auf Menschen zu übertragen.
Dass HCV nur Menschen und Schimpansen infizieren kann, liegt unter anderem an dem sehr komplizierten Mechanismus über den es die Zelle betritt. Das Virus muss sich über vier verschiedene Moleküle auf seiner Oberfläche an die Oberfläche unserer Leberzellen binden. Das löst dann einen Mechanismus in unseren Zellen aus, der das Virus in die Leberzellen einschleust. „Mäuse haben diese Rezeptoren auf den Leberzellen prinzipiell auch“, sagt die Wissenschaftlerin Julia Bitzegeio aus der Abteilung Experimentelle Virologie am TWINCORE, „aber die passen nicht zu denen auf der Virusoberfläche.“
Die zwei Moleküle, die besondere Schwierigkeiten bereiten, heißen CD81 und Occludin – sie müssen menschlich sein, sonst hat das Virus keine Chance die Zelle zu infizieren. Um das HCV sozusagen mausfähig zu machen, haben die Wissenschaftler zu einem Trick gegriffen: Sie haben von menschlichen Leberzellen den CD81-Rezeptor entfernt und durch Maus-CD81 ersetzt. In einem elektrischen Feld haben sie dann winzige Löcher in die Zellmembran gerissen und die HC-Viren künstlich durch diese Löcher direkt eingeschleust. „In den Zellen hat sich das Virus vermehrt und die neuen Viren haben wir wieder und wieder in die veränderten Leberzellen eingeschleust“, erklärt Julia Bitzegeio. Dadurch hat sich das sehr wandlungsfähige Virus schrittweise verändert – bis es auch ohne Hilfe in die Zellen mit Maus-CD81 eindringen konnte.
„Die Virusoberfläche hat sich durch diesen Selektionsprozess so stark verändert, dass es nach wie vor sehr schnell menschliche Zellen infiziert, aber ebenso einfach Mauszellen, die die vier Mausvarianten der HCV Rezeptoren enthalten“, sagt Arbeitsgruppenleiter Professor Thomas Pietschmann. Das an die Mäuse angepasste Virus kann zwar in die Mauszellen eindringen, aber die Spezialisierung des HC-Virus auf den Menschen ist so hoch, dass es sich in den Zellen nicht vermehren kann. „Das erfolgreiche Eindringen ist der erste Schritt zu einem neuen Kleintiermodell, das so dringend für immunologische Untersuchungen und die Impfstoffentwicklung gegen HCV benötigt wird.“
TWINCORE ist eine gemeinsame Einrichtung vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover.
Literatur: Bitzegeio J, Bankwitz D, Hueging K, Haid S, Brohm C, et al. (2010) Adaptation of Hepatitis C Virus to Mouse CD81 Permits Infection of Mouse Cells in the Absence of Human Entry Factors. PLoS Pathog 6(7): e1000978. doi:10.1371/journal.ppat.1000978
Weitere Informationen finden Sie unter www.twincore.de
Bildmaterial:
Bildmaterial zu dieser Pressemitteilung erhalten Sie unter presse@twincore.de
BU: Infizierte humane Zellen, die Maus CD81 auf ihrer Oberfläche tragen. (Bildrechte: TWINCORE)
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thomas Pietschmann
Tel: +49 (0)511-220027-130
Julia Bitzegeio
Tel: +49 (0)511-220027-138
21.06.10
Einmal ohne Zucker, bitte
Braunschweiger Helmholtz-Forscher entwickeln neue Methode, um komplexe Proteine vereinfacht herzustellen.
Wissenschaftler des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben eine neue Methode entwickelt, die es ermöglicht, eine bestimmte Art von Proteinen einfacher zu untersuchen. Diese sogenannten Glykoproteine sind kompliziert aufgebaut und daher meist nur schwer zu analysieren. Die neue Methode basiert darauf, das gewünschte Protein von einer veränderten Wirtszelle produzieren zu lassen. Das Besondere an den Zellen: Sie bauen die eigentlich komplexen Glykoproteine stark vereinfacht nach. Damit fällt es den Forschern leichter, ihre Struktur zu entschlüsseln. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler der Abteilung „Strukturbiologie“ jetzt in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Protein Science“ veröffentlicht.
Proteine sind die zentralen Grundbausteine aller Zellen: Sie geben Struktur, haben Transportfunktionen oder spielen bei Infektionen eine wichtige Rolle. Damit Proteine ihre Aufgaben erfüllen können, erhalten sie eine Vielzahl chemischer Veränderungen. Eine wichtige Modifikation sind kleine Zuckerreste: Diese spezielle Art von Molekülen stabilisieren Proteine und lassen sie funktionsfähig bleiben. In der Zelle werden diese kleinen Reste in mehreren Schritten nach und nach an die Struktur des neu gebildeten Proteins angehängt.
Während diese Reste einerseits wichtig sind für die Funktion des Proteins, stören sie andererseits Strukturbiologen daran, diese Proteine zu untersuchen. Wissenschaftler des HZI entschlüsseln den Aufbau von Proteinen, die an Infektionen beteiligt sind, um neue Angriffspunkte für Medikamente oder Therapien zu entwickeln. Um die Struktur eines Proteins zu entschlüsseln, benötigen die Forscher einen Proteinkristall. Diese Kristalle entstehen, wenn ein Protein in einer Lösung unter bestimmten Bedingungen für lange Zeit erschütterungsfrei inkubiert wird. Die Zuckerreste an den Eiweißen erschweren jedoch, dass sich Kristalle bilden.
„Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, Proteine mit so wenig Zuckerresten wie möglich herzustellen“, sagt Dr. Konrad Büssow, Leiter der Projektgruppe „Expression von Säugerproteinen“ in der HZI-Abteilung „Strukturbiologie“. Zwar lassen sich durch Enzyme unerwünschte Zuckerreste entfernen, dies sei jedoch aufwändig und kann den Proteinen schaden.
Die Forscher stießen bei ihrer Suche auf eine veränderte Zell-Linie, die nur wenige Zuckerreste an die Proteine anhängt. Diese sogenannten Lec-Zellen brechen den Anbau von Zuckerresten bereits nach einigen Schritten ab. Wenn die Forscher das Gen für ein gewünschtes Protein in diese Zellen einbrachten, stellten die Lec-Zellen das Protein mit nur wenigen, einfach zu entfernenden Anhängen her.
„Mit dieser Methode können wir jetzt auch Glykoproteine untersuchen, die zum Beispiel bei der Immunabwehr oder der Interaktion eines Krankheitserregers mit dem Wirt eine Rolle spielen und die früher nur schwer oder gar nicht zu kristallisieren waren“, sagt Professor Dirk Heinz, Leiter der Abteilung „Strukturbiologie“ am HZI.
Originalartikel: Glycoprotein production for structure analysis with stable, glycosylation mutant CHO cell lines established by fluorescence-activated cell sorting. Wilke S, Krausze J, Gossen M, Groebe L, Jäger V, Gherardi E, van den Heuvel J, Büssow K. Protein Sci. 2010 Jun;19(6):1264-71.






