Translationsforschung – gemeinsam schneller ans Ziel

Bis vor wenigen Jahren arbeiteten Grundlagen-, klinische und pharmazeutische Forschung eher nebeneinander als miteinander. Kontakt und Ideenaustausch zwischen den Disziplinen waren selten. Methoden, Selbstverständnis und Ziele der Forschenden waren – und sind – sehr unterschiedlich: Erkenntnisgewinn hier, Prozess- oder Produktoptimierung dort. Ergebnisse aus der Grundlagenforschung fanden oft nicht oder nur sehr langsam den Weg in die klinische Anwendung - und damit letztendlich zum Patienten. Viele Entwicklungen erreichten im akademischen Umfeld nur ein Stadium, das die Pharmaindustrie noch als zu risikoreich betrachtete, um sie aufzugreifen.

 

Während Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung oft zu fundamentalen Umbrüchen bisheriger Sichtweisen führen, die dann jedoch eher langsam und schrittweise in die Praxis umgesetzt werden, können neue Erkenntnisse aus der angewandten Forschung schnell zu größeren Veränderungen führen. Dies geschieht jedoch selten – und das hat verschiedene Gründe: Oft reicht es nicht, dass eine vielversprechende Erfindung besteht. Stattdessen müssen bereits so viele Erkenntnisse vorliegen, dass die Chancen auf Umsetzung abschätzbar sind. Nur so lassen sich öffentliche oder private Förderer finden, die bereit sind, die Weiterentwicklung zu finanzieren. Weiterhin müssen Fragen zum Beispiel des geistigen Eigentums geklärt sein, damit zu späteren Zeitpunkten Gewinne realisiert werden können.

 

Dabei sichert nur eine enge Zusammenarbeit multidisziplinärer Partner eine effiziente Entwicklung neuer Medikamente, Therapien und Impfstoffe. Das Stichwort lautet „Translation“ – Übersetzung. Das Ziel der Translationsforschung ist ein kontinuierlicher Austausch verschiedener Forschungsbereiche, der die Weiterverarbeitung von Ergebnissen in die Anwendung beschleunigt. Universitäten, Forschungseinrichtungen, Kliniken und die Pharmaindustrie arbeiten dabei in gemeinsamen Projekten zusammen.

 

Die Idee hinter der Translationsforschung lautet „from bench to bedside and back to the bench“, vom Labor zum Patienten und zurück zur Laborbank. Dazu entwickelt die Grundlagenforschung potenzielle Ansatzpunkte für neue Wirkstoffe oder Therapien im Labor. Diese Ergebnisse werden in der klinischen Forschung weiterentwickelt und in frühen klinischen Prüfungen auf Sicherheit und in einem nächsten Schritt auf Wirksamkeit untersucht. Bei den klinischen Prüfungen kommen in der Regel neue Fragen auf, um die sich dann die Grundlagenforscher und die klinischen Forscher sofort wieder kümmern. 

 

In ständiger Zusammenarbeit bewältigen Experten aus der Grundlagenforschung und der Praxis dann die nächsten entscheidenden Schritte. Diese erfordern große, aufwändige klinische Studien mit vielen Teilnehmern und resultieren in komplexer werdenden Datenmengen. Am Ende dieses Prozesses stehen im Idealfall die Entwicklung zum Beispiel eines neuen Arzneimittels und die Umsetzung der Ergebnisse in die klinische Routine.

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