Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung

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Infektionsforschung - so aktuell wie seit jeher

Infektionen, so sagen viele Forscher, sind Motoren der menschlichen Evolution. Natürlich nur solange, wie es auch Individuen gibt, die immun sind. Wissenschaftlich betrachtet sind Infektionen somit keineswegs nur ein medizinisches Problem: Zu erkunden, was vor, während und nach einer Infektion auf Seiten von Erreger und Wirt passiert – das bietet vielmehr Einblick in viele verschiedene biowissenschaftliche Disziplinen und genau das macht die Infektiologie auch so spannend. Doch wie begann eigentlich die Erfolgsgeschichte dieser Wissenschaft?

 

Die Pockenepidemie in Europa war auf ihrem Höhepunkt, als Edward Jenner 1796 eine Idee hatte: Ihm war aufgefallen, dass Mägde, die an Kuhpocken erkrankte Kühe gemolken hatten, für kurze Zeit einen leichten, pockenähnlichen Hautausschlag bekamen. Danach konnten ihnen die echten Pocken nichts mehr anhaben. Nach dieser Beobachtung infizierte der englische Landarzt einen achtjährigen Jungen künstlich mit Kuhpocken. Die harmlose „Vakzination“ – vom lateinischen „vacca“, die Kuh – schützte das Kind tatsächlich vor den echten Pocken und ging als erste Impfung in die Geschichte ein.

Pocken, Lepra, Pest – sie gelten heute als Relikt vergangener Zeiten. Diphtherie und Polio kennen wir fast nur noch aus Erzählungen. Selbst die Jahrtausende überdauernde Tuberkulose hat viel von ihrem Schrecken verloren. Der Therapie mit antibiotisch wirksamen Medikamenten war es zu verdanken, dass Infektionen endlich geheilt werden konnten.

 

Pocken, Lepra, Pest – sie gelten heute als Relikt vergangener Zeiten. Diphtherie und Polio kennen wir fast nur noch aus Erzählungen. Selbst die Jahrtausende überdauernde Tuberkulose hat viel von ihrem Schrecken verloren. Der Therapie mit antibiotisch wirksamen Medikamenten war es zu verdanken, dass Infektionen endlich geheilt werden konnten.

 

Der „Siegeszug der Antibiotika“ verleitete die Menschheit zu einem vorschnellen Urteil: „Der Kampf gegen Infektionskrankheiten ist gewonnen“, proklamierte Amerikas oberster Sanitätsoffizier William Stewart 1962. Doch spätestens mit der Entdeckung von HIV Anfang der 80er Jahre entpuppte sich der vermeintliche Sieg als Trugschluss. Wenig später tauchte in England die mysteriöse Rinderkrankheit BSE auf. 2003 verbreitete sich das neuartige SARS-Virus per Tröpfcheninfektion über den Globus.

 

Zugleich kehren die Seuchen der Vergangenheit  zurück. Tuberkulose erfährt eine Renaissance nicht nur in Entwicklungsländern. Selbst die Gefahr einer neuen Pockenepidemie wird seit dem Anschlag auf das New Yorker World Trade Center am 11. September 2001 diskutiert. Viele Staaten haben sich mit dem Impfstoff eingedeckt – vorsichtshalber.

 

Die Infektionsforschung der Zukunft

Die Erforschung von Infektionen passt ideal zur Helmholtz-Gemeinschaft, der größten deutschen Forschungsorganisation, der unser Zentrum angehört. Denn die Mission der Helmholtz-Gemeinschaft ist es, Beiträge zur Lösung drängender, komplexer Probleme zu leisten. Und Infektionen sind ein Paradebeispiel dafür, wie komplexe biologische Systeme – die Wirte – durch äußere Faktoren – die Krankheitserreger – beeinflusst werden. Dies weist darauf hin, in welche Richtung sich unsere Arbeit in Zukunft entwickeln wird: Ohne nationale und internationale Kooperation kann die Vielfalt der an einer Infektion beteiligten Faktoren auf den unterschiedlichen Ebenen Molekül, Zelle, Organismus nicht analysiert werden. Voraussetzung ist aber auch, dass sich die Biologie zunehmend für andere Wissenschaftsdisziplinen wie Informatik, Physik, Mathematik und Ingenieurwissenschaften öffnet: Die rechnergestützte Modellierung der untersuchten Infektionsprozesse wird eine immer größere Rolle spielen. Heute basieren die Erkenntnisse noch überwiegend auf Versuchen an der Laborbank. In Zukunft wird ein Versuch jedoch zunächst am Computer simuliert werden.

Dieser Einsatz der Systembiologie wird viel bessere Vorhersagen und Arbeitshypothesen möglich machen als heute.

Diese beiden Tendenzen – Internationalisierung und zunehmende Interdisziplinarität – werden unsere Chance, den Wettlauf mit den Mikroben doch noch zu gewinnen, deutlich verbessern.

 

09.03.2010

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