Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Experimentelle Virologie

Experimentelle Virologie

Viren sind genau genommen Überträger eines biologischen Programms, mit dem sie den Stoffwechsel einer Menschen-, Tier- oder Pflanzenzelle so umschreiben können, dass diese Zellen wieder neue Viren produzieren - ein Prozess, der Replikationszyklus genannt wird. Sie sind winzig, nur aus einer Protein-Lipid-Hülle mit Erbgutfüllung aufgebaut, und dennoch bedrohen Erreger wie HIV oder Hepatitis C die Gesundheit vieler Millionen Menschen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sind weltweit bis zu 170 Millionen Menschen mit dem Hepatitis C-Virus in Berührung gekommen - davon sind etwa 100 bis 130 Millionen Menschen chronisch mit dem Virus infiziert. Häufig tritt als Folge eine Entzündung der Leber auf (Hepatitis), welche die Organfunktion einschränken und zur Entstehung von Leberkrebs führen kann. Nur etwa zwei Drittel aller Infizierten können bislang erfolgreich mit Medikamenten behandelt werden, diese Behandlung kann bis zu fast einem Jahr dauern und ist von schweren Nebenwirkungen begleitet.

 

Die Arbeitsgruppe "Experimentelle Virologie" um Prof. Dr. Thomas Pietschmann erforscht am TWINCORE die Hintergründe der Hepatitis C. Das Problem bei der Erforschung des Virus ist, dass es nur Menschen und Schimpansen infiziert und somit nur schwierig im Organismus zu erforschen ist. Um hinter die Geheimnisse des Virus zu kommen, hat Thomas Pietschmann ein Zellkulturmodell entwickelt. Es besteht aus menschlichen Leberzellen und einer Virusvariante, die sich besonders gut in Zellkulturen vermehrt. Mit diesem Testsystem prüft er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern wie es dem Virus gelingt, in unsere Leberzellen einzudringen und weshalb Leberzellen beispielsweise von Mäusen für das Virus nicht empfänglich sind.

 

Darüber hinaus untersuchen Wissenschaftler der Abteilung wie die einzelnen Virusbestandteile funktionieren und mit Bausteinen der Leberzelle zusammenwirken, um Nachkommenviren zu bilden. So könnten neue Schwachstellen des Virus entdeckt werden, an denen die Forscher ansetzen können, um die Vermehrung des Virus zu stören: In diesem Zusammenhang werden auch Naturstoffsammlungen auf ihre Wirkung gegen das Virus durchforstet. Gesucht: Stoffe, die das Eindringen die Vermehrung oder die Freisetzung der Viren blockieren.

 

In mehreren Twinningprojekten mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung und der Medizinischen Hochschule Hannover arbeiten die Forscher an neuen Therapieoptionen für diese weltweit verbreitete Krankheit.

 

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22.05.2012