Experimentelle Infektionsforschung
Greift uns ein Virus an, reagiert das Immunsystem innerhalb weniger Stunden. Hochspezialisierte Immunzellen erkennen die Krankheitserreger und schütten hocheffiziente Botenstoffe aus, die das Immunsystem aktivieren. Unter diesen Botenstoffen befinden sich die Interferone, die dafür sorgen, dass einzelne Wirtszellen weniger leicht infiziert werden. Gleichzeitig können Interferone auch den Verlauf der Immunreaktion und das Gedächtnis des Immunsystems beeinflussen. Ohne diese Botenstoffe verlaufen Virusinfektionen - die wir normalerweise fast unbemerkt überwinden - innerhalb weniger Tage tödlich.
Wie genau diese Mechanismen funktionieren, ist jedoch noch unklar. Ebenso ist unklar, wie verschiedene Erreger die Ausschüttung von Interferonen oder deren Wirkung verhindern, so dass wir dennoch erkranken. Und wie schützt sich das zentrale Nervensystem vor Virusinfektionen? Diese Themen sind ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit von Prof. Dr. Ulrich Kalinke an seinem "Institut für Experimentelle Infektionsforschung".
Trotz vieler offener Fragen werden Interferone bereits seit vielen Jahren als Medikamente eingesetzt: Interferon-alpha ist in Kombination mit Ribavirin® die bislang einzig wirksame Therapie gegen chronische Hepatitis C Virus Infektionen. Interferon-beta spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung der Multiplen Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Weiterhin werden mit Interferonen bestimmte Tumorerkrankungen therapiert. Weshalb Interferone die Verläufe so unterschiedlicher Erkrankungen positiv beeinflussen, steht ebenfalls im Fokus von Ulrich Kalinkes Forschung.
Um diese weitreichenden Fragen beantworten zu können, arbeiten die Forscher des TWINCORE in zahlreichen Twinningprojekten mit Partnern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung und der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen.

