Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Chronische Infektionen und Krebs

Im Labor von Prof. Dr. Lars Zender werden funktional-genetische und genomische Untersuchungen durchgeführt, um das Leberzellkarzinom  und die Leberregeneration zu studieren.

Leberkrebs, auch bekannt als „Hepatozellulärer Krebs“ (HCC), ist weltweit eine der häufigsten und tödlichsten Krebsarten. Die Erkrankung tritt zunehmend auf. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 700.000 Menschen daran, 50.000 davon in Europa. Das HCC ist eine Krebsart, die häufig aus einer Infektion oder Entzündung heraus entsteht. Die Hauptrisikofaktoren der Erkrankung sind chronische Hepatitis B und C sowie Alkoholmissbrauch. Eine chronische Leberentzündung besteht aus sich wiederholenden Wellen von absterbenden Leberzellen und der Regeneration der Leber. Diese andauernde Beanspruchung der Leber fordert jedoch ihren Tribut: die Regenerationsfähigkeit des Organs erschöpft sich – eine Leberzirrhose entsteht. Sie ist eine der wichtigsten Vorstufen für Leberkrebs.

In den vergangenen Jahren wurden innovative Mausmodelle entwickelt, um die Genetik und die Biologie des Leberkrebs und der Leberregeneration zu studieren. Diese sogenannten „chimären“ oder „mosaiken-Mausmodelle“ erlauben es, den Einfluss von komplexen genetischen Läsionen auf die Leberkrebsentstehung und sein Voranschreiten mit hoher Effizienz zu untersuchen. Diese Mausmodelle erlauben außerdem den Einsatz von  in vivo RNA Interferenz

Es wurde eine einzigartige Plattform entwickelt, welche die Durchführung von in vivo RNAi retro- und lentivirale shRNA-Bibliotheken für das Maus- und Menschengenom zur Verfügung stellt. Alle Screens (in vitro / in vivo RNAi-Screens)  werden als gepoolte, sogenannte Multiplex-Screens durchgeführt, wobei die Auswertung mittels Illumina/Solexa „Deep sequencing“ erfolgt. Ein weiterer Fokus des Zender-Labors ist es, die Rolle des zellulären-Seneszenzprogramms bei chronischer Leberschädigung und bei Leberkrebs zu studieren. Das zelluläre Seneszenzprogramm stellt eine Barriere gegen die Tumorentwicklung dar und man ging bis jetzt davon aus, dass die Auslösung des Seneszenzprogrammes (z.B. durch Einwirkung von genotoxischen UV-Strahlen oder radioaktiver Strahlung) der Tumorentwicklung entgegenwirkt, indem ein permanenter Zellzyklusarrest ausgelöst wird.

Aktuelle Daten zeigen jedoch, dass die Auslösung der zellulären Seneszenz Zellen „sichtbar“ für das Immunsystem macht und die Wissenschaftler gehen der Frage nach, wie die Immunantwort gegen geschädigte, seneszente Leberzellen der Entstehung von Leberkrebs entgegenwirkt.




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22.05.2012