Die Arbeitsgruppe „Tierexperimentelle Einheit“ ist eine zentrale Serviceeinrichtung des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). Sie ist zuständig für die tiergerechte Haltung und ordnungsgemäße Versorgung der am HZI zu wissenschaftlichen Forschungszwecken benötigten Labortiere unter Berücksichtigung aller geltenden rechtlichen Bestimmungen. Am HZI werden ausschließlich Mäuse zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt. Dies umfasst insbesondere die Erforschung der biomedizinischen Grundlagen von unterschiedlichen Infektionskrankheiten sowie die Entwicklung neuer Prophylaxe- sowie Behandlungsmöglichkeiten gegen infektiöse Erkrankungen von Mensch und Tier.
Seit einigen Jahren ist es durch gentechnische Verfahren möglich, gezielte Erbgutänderungen bei Labormäusen vorzunehmen. Dadurch können Modellorganismen für die Erforschung schwerer menschlicher Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Autoimmun- und Stoffwechselkrankheiten erzeugt werden. Deshalb haben das wissenschaftliche Interesse an Labormäusen und damit auch die Mauszahl in den Tierhaltungen in den letzten 10 Jahren stark zugenommen.
Als transgene Mäuse werden Mäuse mit zusätzlich übertragenem Erbmaterial bezeichnet. Knock-out Mäuse sind Mäuse mit gezielt ausgeschalteten Genen. Insbesondere durch das letzt genannte Verfahren, das 2007 mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichnet wurde, lassen sich bestimmte Erbanlagen im gesamten Tier oder auch nur in einzelnen Geweben oder Zellen eines Organismus abschalten. Auf diese Weise können sehr gut einzelne Komponenten der Immunabwehr untersucht werden um festzustellen, welche Reaktionen des Immunsystems auf einen Erreger für den Schutz vor einer Infektion von Bedeutung sind. Darüber hinaus können genetischen Faktoren für eine Empfänglichkeit oder eine Resistenz gegenüber bestimmten Infektionserregern analysiert werden.
Alle Labormäuse werden in einzeln belüfteten Käfigsystemen unter sogenannten Barrierebedingungen gehalten, damit sichergestellt ist, dass diese Tiere nicht mit Krankheitserregern in Kontakt kommen können. Diese aufwendigen Hygienebedingungen können in etwa mit denen in OP-Bereichen im Krankenhaus verglichen werden. Diese Barrierebereiche sind strikt gegen die Außenwelt abgeschottet und werden mit steril gefilterter Luft belüftet. Alles Versorgungsgut wird steril eingebracht. Personen müssen beim Zutritt in die Barriere duschen und Sterilkleidung anlegen. Jeder einzelne Käfig wird mit steril gefilterter Luft belüftet, alle Arbeiten an den Mäusen erfolgt in einer sterilen Werkbank. Umgekehrt ist durch die gleichen Haltungsbedingungen sichergestellt, dass bei der Durchführung von Infektionsexperimenten keine Krankheitserreger aus den Tierkäfigen in die Außenwelt gelangen können. In diesem Fall werden alle gebrauchten Käfige und die gesamten Abfälle durch Autoklavieren sterilisiert. Eine solche Barrieretierhaltung macht besonders komplizierte haustechnische Anlagen erforderlich.
Seitens der Tierhaltung werden neben den Arbeiten der Grundversorgung der Tiere wie Füttern, Tränken, Säubern der Käfige und der Tierräume zahlreiche Serviceaufgaben wie Ansetzen von Verpaarungen, Betreuung von Zuchten einschließlich Buchführung, Kennzeichnung von Tieren und Unterstützung der Wissenschaftler durch die Gewinnung von Blut- und Gewebeproben übernommen, so dass eine lückenlose qualifizierte Betreuung und Versorgung der wertvollen Mäuse an 365 Tagen im Jahr sichergestellt ist.
In der Arbeitsgruppe besteht die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Tierpfleger/in der Fachrichtung Forschung und Klinik zu absolvieren.
Darüber hinaus wird die Herstellung gentechnisch veränderter Labormäuse sowie Verfahren für die hygienische Sanierung und die Sicherung von Mauslinien durch Einfrieren von frühen Embryonalstadien und Spermien sowie die Vermehrung durch in-vitro Befruchtung durchgeführt.
Diese Einheit bietet allen Forschergruppen des HZI Beratung, Schulung und Unterstützung bei der ordnungsgemäßen Durchführung von Tierversuchen an und stellt insbesondere die Einhaltung sämtlicher tierschutzrechtlicher Bestimmungen sicher Tierschutzbeauftragter.
Mehr über die Forschungsaktivitäten der Arbeitsgruppe finden Sie in diesen Pressemitteilungen.





