Diskursprojekt „Tierversuche in der Forschung“

Das Thema „Tierversuche“ berührt – Emotionen machen eine abwägende Diskussion über die Gründe für Tierversuche sehr schwierig. Das vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung koordinierte Diskurs-Projekt „Tierversuche in der Forschung“ bietet objektive und umfassende Informationen zum Thema an. Sie sollten zu einem vorurteilsfreien Nachdenken und Urteilen über die Gründe und die Praxis dieser tierexperimentellen Untersuchungen anregen. Gleichzeitig werden neue Kommunikationsformen entwickelt, die sowohl die wissenschaftliche als auch die emotionale Seite des Themas gleichermaßen einbeziehen. Nur wenn beide Aspekte berücksichtigt sind, kann eine offene, sachliche und das Für und Wider abwägende Diskussion initiiert werden.
 
Derzeit sind Tierversuche unverzichtbar. Sie werden benötigt, um neue Diagnoseverfahren und Therapien gegen Infektionen entwickeln zu können. Denn trotz aller medizinischen Fortschritte sind Infektionen weltweit nach wie vor für ein Drittel aller krankheitsbedingten Todesfälle verantwortlich. Da es derzeit nicht möglich ist, die große Bandbreite der Aktionen und Reaktionen eines komplexen, lebenden Organismus bei einer Erkrankung mit Alternativmethoden nachzubilden, untersuchen Forscher die Maus als Modellorganismus. An Mäusen können vielfältige Prinzipien von Infektion und Immunantwort erkannt und auf den menschlichen Organismus übertragen werden. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen. Dies spiegelt sich in der Zahl der Tierversuche der vergangenen Jahren wider: Von 1991 bis 1997 ist sie kontinuierlich gesunken. Seit 1998 steigen die Zahlen jedoch wieder – vor allem durch den verstärkten Einsatz von gentechnisch veränderten Mäusen.


 
Das Diskursprojekt setzt sich auf verschiedenen Wegen mit der Thematik Tierversuche auseinander: Ein „Dialogforum“ aus Wissenschaftlern, Ethikern und Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen erarbeitet die Voraussetzungen, Methoden und unterstützenden Instrumente für die langfristige Kommunikation der komplexen Thematik. Das zentrale Element des Diskursprojektes ist jedoch ein für Schüler konzipiertes Format: Der Großgruppendiskurs „Tierversuche in der Forschung“. Er wurde speziell für die Diskussion kontroverser Themen in gymnasialen Oberstufen entwickelt und seine Weiterentwicklung und Evaluierung wird derzeit vom Bmbf gefördert. 2008 werden im Rahmen dieser Förderung deutschlandweit vier Großgruppendiskurse durchgeführt werden. Die ersten Pilotveranstaltungen in 2006 haben gezeigt, dass das Diskurskonzept besonders gut geeignet ist, um in den Schulalltag integriert zu werden. Die Schüler arbeiten einen Schultag lang am Thema „Tierversuche in der Forschung“. Eine professionelle Moderation führt sie durch den Tag und durch einen speziell für diesen Diskurs gedrehten Film, können die Schüler hinter die Türen des Maushauses am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung blicken. Eine große Besonderheit dieses Diskurses ist jedoch der Pool aus Experten, die direkt mit den Schülern über Tierversuche diskutieren. Diese Experten stammen direkt oder indirekt aus dem Projektteil „Dialogforum“, so dass sich der Diskurs innerhalb der Expertenlandschaft und mit den Schülern sowohl ergänzen als auch durch neue Anregungen gegenseitig befruchten.

 

An der Umsetzung des Diskursprojekts sind neben dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung folgende Institutionen beteiligt:

die Kommunikationsexperten der Hammerbacher GmbH,

die Gesellschaft für Versuchstierkunde (GV-SOLAS),

das Tierschutzzentrum der Tierärztlichen Hochschule Hannover und

das Deutsche Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE).

Das Schülerlabor BioS stellt die Kontakte zu den Schulen der Region her.

 

Leitfaden zum Download

Hier können Sie den Leitfaden für das Diskursprojekt als pdf herunterladen.

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